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Philosophisch-ethische Rezensionen
(Erscheinungsdatum der rezensierten Bücher: 20. und 21. Jahrhundert)

Michael Hampe, Wahrheit in der 3. Aufklärung

Der Postmoderne Abgesang auf Wahrheit und Aufklärung ist für Hampe ein innerakademischer Scheinkampf, den sich allerdings faschistische Relativisten wie Putin und Bannon für die Zerstörung aufgeklärter Gesellschaften zunutze machen. Die pragmatische und kritische Philosophie, für die Hampe einsteht, sieht Äußerungen nicht als bloße Beschreibungen von Tatsachen, sondern auch als mögliche Interventionen, die Dinge mitbestimmen und verändern können und wollen. Im Gegensatz dazu ist postmodernes Denken reines beobachtendes Denken, das meint ein Bild der Geschichte zeichnen zu können, indem es um einen naturgesetzlichen Gang der Entwicklung menschlicher Verhältnisse und Gedanken geht. Für Hampe sind historische Abläufe aber zu komplex, um sie als von Gesetzmäßigkeiten gesteuert erkennen zu können. Sie entstehen vielmehr durch eine Mischung von Zufall und Notwendigkeit, durch die individuelles und kollektives Handeln vorangetrieben werden. Er lobt in dieser Hinsicht John Dewey als den 1. Philosophen, der erkannt hat, dass wirkliche Prozesse sich aus Zufall, Notwendigkeit und menschliches Handeln, durch Muster, Reaktionen auf Muster und Rückwirkungen dieser Reaktionen auf Muster, entwickeln. Dagegen ist die Einstellung, die Welt nur als Produkt unserer Absichten zu sehen, kindliches Wunschdenken. Sie als deterministisch zu verstehen, ist abergläubischer Fatalismus. Für die Zukunft von Wissen und Wahrheit bedeutet dies nach Hampe, dass sie nur bedingt prognostizierbar ist.

Jürgen Czogalla

14.12.2025